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Die humoristisch-dramatische und garantiert kompromisslose Historie eines russischen Unternehmers und seines Kampfes gegen Kommunisten und Krisen

Prolog
Alexander Grebennikov, Natalia Mavricheva und ihr Familienunternehmen

Der Grebennikov-Verlag ist ein kleines Familienunternehmen, dessen Gesellschafter Alexander Grebennikov und seine Ehefrau Natalia Mavricheva sind.

Alexander Grebennikov erblickte am 3. April 1963 seine Eltern und anschließend den Rest der Welt. Nach dem Abschluss einer durch und durch gewöhnlichen Oberschule und des ganz und gar ungewöhnlichen Мoskauer Bergbauinstituts begann er seine berufliche Laufbahn als Elektroingenieur. Dies war jedoch nicht die Erfüllung seines Lebens und so begann Grebennikov sich für das Verlegen von Büchern zu interessieren. Dank Personalcomputer und Nadeldrucker war das Ziel bereits nahezu erreicht, der Selbstverlag fast schon ins Leben gerufen, als die Perestrojka die Gründung des Untergrundverlag überflüssig werden ließ. Grebennikov konnte nicht nur, ja er musste nun eine offizielle Firma gründen und vom Ingenieur zum Verleger „umschulen“.

Natalia Mavricheva wurde am 24. Mai 1973 geboren. Sie studierte am Moskauer Institut für Lebensmitteltechnologie und schloss die Hochschule mit der ganz nützlichen Qualifikation einer Diplom-Betriebswirtin ab. Das hatte der Verstand ihr geraten, ihr Herz aber zog sie bereits in ihrer Kindheit zu Medien & Werbung hin. Als sie 1993 das erste Mal über die Schwelle eines Verlages trat und dort Alexander Grebennikov erblickte, wusste sie, dass sich hier ihr Kindheitstraum erfüllen wird. Und Grebennikov half diesen Traum zu verwirklichen und wurde somit – völlig unerwartet für ihn selbst – zum Mann ihrer Träume.

1987: Der Beginn der Verlagstätigkeit als Kampf gegen die Windmühlen des Kommunismus

Seinen ersten Verlag gründete Alexander Grebennikov bereits 1987, als in der Sowjetunion gerade einmal die ersten Privatunternehmen entstanden. Allerdings hatten die Sowjet-Behörden noch nichts von den gesellschaftlichen Veränderungen bemerkt und legten dem Firmengründer Steine aller nur erdenklichen Größe und Form in den Weg. Grebennikov ließ sich von den abschlägigen Bescheiden nicht abschrecken und hangelte sich die Leiter der Bürokratie nach oben, bis er schließlich bei Juri Luschkow landete. Der heutige Oberbürgermeister Moskaus war damals für die Unternehmer der Hauptstadt verantwortlich.

In den Jahren der Perestrojka ging es recht chaotisch zu und so war es nicht verwunderlich, dass Luschkow die Audienz für 21:00 Uhr ansetzte. Luschkow verspätete sich jedoch um mehrere Stunden und so wurden Grebennikov und dessen Kompagnon im Moskauer Stadtrat erst um 1:00 Uhr in der Nacht empfangen.

„Die Partei ist gegen die Gründung privater Verlage“, erklärte der Kommunist Luschkow.
„Warum?“

„Weil die Gefahr der Verbreitung antikommunistischer Literatur besteht“, antwortete Luschkow.
„Aber Sie haben doch auch nichts dagegen, dass Privatunternehmen Unterhosen nähen“, konterte Grebennikovs Kompagnon.
„Natürlich nicht“, wunderte sich Luschkow.
„Und wenn auf diese Schlüpfer nun antisowjetische Losungen gedruckt werden?“
„Der Nächste bitte!!!“, brach Luschkow das Gespräch ab und gab damit zu verstehen, dass der Moskauer Stadtrat kein Ort für Diskussionen ist.

1988 wurde in der UdSSR das „Kooperations-Gesetz“ verabschiedet und von nun an war eine Genehmigung durch die Sowjet-Behörden plötzlich nicht mehr vonnöten. Alexander Grebennikov meldete zusammen mit seinen Freunden seinen ersten Verlag an.

Während des Putschversuches 1991 stand Juri Luschkow auf der Seite von Gorbatschow und Jelzin, der konsequente Verfechter der Ideen Lenins ward nun mehr ein überzeugter Antikommunist.

1988: Das erste Buch oder

Wie der „Tölpel Gorbatschow“ im Kampf um die Meinungsfreiheit einen Sieg errang

1988 verfasste Alexander Grebennikov ein Buch für die ersten freien Unternehmer der untergehenden Sowjetunion. Er nannte es „Handbuch für Unternehmensgründer“ und dieses Buch wurde sogleich ein Bestseller – und das nicht nur unter den Jungunternehmern.
Eines schönen Tages kam ein junger Mann in das Verlagsgebäude und interessierte sich dafür, wo dieses heiß begehrte Buch verkauft wird.

„Hier!“, war die erfreute Antwort und der Verlagsmitarbeiter stürmte sogleich zum Bücherschrank.

„Hier!“, wiederholte der junge Mann einem Echo gleich und vom Flur trat ein Mann in Uniform ein.

„Sehr schön“, freute sich dieser . „Wir konfiszieren die gesamte Auflage.“

Doch die Ordnungshüter hatten diesmal kein Glück. Just zu dieser Zeit befand sich ein Jurist im Verlagsbüro, der den Mitarbeiter der Staatsorgane auflistete, welche Dokumente zum Konfiszieren einer Buchauflage beigebracht werden müssen.

„Aber könnten wir denn vielleicht ein Buch bekommen?“, fragten die verblüfften Milizionäre und traten geordnet den Rückzug an.

„Nur, wenn es der Verleger gestattet…“, erklärte der Jurist.
„Könnte denn der Verleger nicht einmal bei uns bei der Genehmigungs-Abteilung vorbeischauen?“, erkundigten die Milizionäre sich höflich.

Und Alexander Grebennikov machte sich auf den Weg in das Miliz-Hauptrevier in der Petrowka-Straße, um seine Aussage zu machen.

Aus den Erinnerungen Alexander Grebennikovs: „Heutzutage erteilt die Genehmigungs-Abteilung des Innenministeriums auf Antrag Waffenscheine. Aber während der Sowjetzeit hielt man sich an die Worte Wladimir Majakowskis, der die Feder mit dem Bajonett gleichsetzte. Und deshalb wurde zum Drucken eines Buches und zum Erwerb eines Kopierapparates in der UdSSR genauso eine Genehmigung benötigt, wie heutzutage für das Tragen einer Waffe.“

„Schreiben Sie eine Erklärung und geben Sie an, wer Ihnen gestattet hat, so ein Buch zu drucken!“, verlangte der Milizionär mit Nachdruck.

„Ich werde nichts dergleichen tun. Ich kann herausgeben, was ich will – bei uns herrscht jetzt Meinungsfreiheit! Oder haben Sie davon noch nicht gehört?“, fragte Grebennikov höflich nach.
„Soll das etwa heißen, dass Sie jetzt drucken können, was Sie wollen?“ – der Schrecken in der Stimme des Milizionärs war nicht zu überhören.
„Genau! Ich könnte zum Beispiel schreiben, dass Gorbatschow ein Tölpel ist, oder etwa nicht?!“, lockte Grebennikov den Milizionär aus der Reserve.
„Na, das können Sie ruhig schreiben!“, pflichtete der Ordnungshüter dem Verleger schnell bei und mit einem „Warten Sie mal kurz!“ rannte er hektisch aus seinem Büro.

Nach kurzen vierzig Minuten betrat ein ranghöherer Milizionär den Raum und erklärte Grebennikov, dass es keine weiteren Fragen gäbe und er nun nach Hause gehen könne.

So schlug Ende der 80er das Buch Alexander Grebennikovs als eines der ersten eine Bresche in die sowjetische Zensur.

1991: Der Bankrott des ersten Verlages und der Zerfall der Sowjetunion

Der Verlag Alexander Grebennikovs war der zweite Privatverlag für Business-Literatur in der Sowjetunion. Der Erste war die Kooperative Fakt (aus der später das Verlagshaus Kommersant hervorging). 1991 hatte der Verlag bereits mehr als 5000 Abonnementen und gab sechs Periodika heraus, von denen das populärste die Rechts-Zeitschrift Wsjo dlja predprinimatelja (Der Unternehmer) war.

Im Sommer 1991 versuchten kommunistische Betonköpfe und KGB-Generäle das Ruder herumzureißen und Gorbatschow zu stürzen. Der August-Putsch überraschte Grebennikov und dessen Familie auf der Krim. Zwei Tage lang kämpfte in Grebennikov der aufrechte Bürger mit dem fürsorglichen Familienvater. Der Erste verlangte eine unverzügliche Rückkehr nach Moskau, um seinem Kompagnon – der auf den Barrikaden stand – zur Seite zu stehen. Der Zweite wollte schnellstmöglich über das Schwarze Meer in die Türkei fliehen. Die Ereignisse holten den Verleger ein: Jelzin siege und die UdSSR, das einstige Bollwerk gegen den Kapitalismus, zerfiel.

Der Bankrott der Sowjetunion hatte den Bankrot des Verlages zur Folge. Interne Probleme, verursacht durch Managementfehler Grebennikovs, wurden durch die politischen Ereignisse noch verstärkt. Die Zahl der Kunden sank auf die Hälfte, dafür schossen die Preise für das Papier in die Höhe. Die sowjetischen Verlage, die Periodika herausgaben, verlangten von ihren Lesern einen 100%igen Aufschlag. Die Ausgaben des Verlages Grebennikovs betrugen 150% seiner Einnahmen.

Auch wenn der Verlag gezwungen war, seine Tätigkeit einzustellen, hatte Alexander Grebennikov doch seine Erfahrungen auf dem Gebiet des Unternehmertums sammeln können und brachte bei der Gründung seines neuen Verlages nicht nur das erworbene Know-how ein, sondern berücksichtigte auch die begangenen Fehler. Der Kluge lernt zwar aus fremden Fehlern, aber aus den eigenen lernt er noch viel besser!

1993 – 1995: Das Verlagshaus Grebennikov. Die ersten drei harten Jahre des neuen Verlages – Glück für zehntausend Jahre

Am 2. August 1993 wurde das Verlagshaus Grebennikov gegründet. Diesmal war der Start komplizierter: Weder war die Finanzierung gesichert, noch standen die richtigen Leute zur Verfügung. Vor allem aber war die Geschäftsidee nicht mehr so neu wie beim ersten Mal. Der einzige Geschäftspartner war Natalia Mavricheva, die zukünftige Ehefrau Grebennikovs und Miteigentümerin der Firma.

Während er den Mangel an Ressourcen mit eigenem Einsatz kompensierte, stellte Grebennikov einige persönliche Arbeitsrekorde auf:

Aus den Erinnerungen Alexander Grebennikovs: „Wir arbeiteten in einer kleinen Souterrainwohnung, in die kaum Tageslicht drang. Natalia schlief nach zwanzigstündigem Arbeitstag nebenan auf der Klappliege. Der alte Personalcomputer hängte sich ständig auf, weil er die vielen Tabellen nicht verarbeiten konnte. Das fertige Produkt musste mehrmals überarbeitet werden. Wir hatten absolut keinen Hunger. Aber selbst wenn – Geld für Essen hatten wir ohnehin keins. Der Kaffee hielt uns auf den Beinen. Als mich Natalia nach sechzigstündiger Arbeit aus meinem frei gewählten Gefängnis führte, schient mir die Welt strahlender und wundervoller. Das Werk war vollbracht und ich war sicher, dass wir das Schwerste hinter uns hatten. Ich sollte mich täuschen…“.

In diesen Jahren wurde der Grundstein für die Zukunft des Verlagshauses gelegt. Der Verlag startete die jährliche Herausgabe des Kataloges Werbung in Russland (Reklamnaja Rossija) und der Monatszeitschrift Reklamnyj Schurnal (Werbejournal) einer der ersten Zeitschriften zum Thema Werbung. Und obwohl die Herausgabe dieser Veröffentlichungen nach fast zehn Jahren eingestellt wurde, hat ihnen der Verlag nicht nur einen Schatz an Erfahrungen zu verdanken, sondern auch das seriöse Renommee, das für die Herausgabe von 24 wissenschaftspraktischen Zeitschriften, die mittlerweile erscheinen, unabdingbar ist.

1996: Marketing und Marktforschung
Die erste Zeitschrift des neuen Verlagshauses und die erste politische Krise des neuen Russlands
Jelzin vs. Sjuganow oder Das russische Business wartet auf Godo

In diesem Jahr gab das Verlagshaus Grebennikov seine erste wissenschaftspraktische Zeitschrift Marketing i marketingowyje issledowanija (Marketing und Marktforschung) heraus. Dieses Jahr war gleichzeitig eines der aufreibendsten in der Geschichte des Verlages.

Vor den Präsidentschaftswahlen kam die Geschäftstätigkeit nahezu zum erliegen. Da die Menschen nicht wussten, ob sie nun bald wieder von Kommunisten bevormundet werden (Sjuganow) oder weiterhin dem Kapitalismus überlassen werden würden (Jelzin), hatten die Geschäftsleute und Firmenchefs Besseres zu tun, als die Zeitschriften des Verlages zu abbonieren. Die Einnahmen der Firma betrugen eintausend Dollar im Monat, die Verluste dagegen wuchsen wie Pilze in der Taiga nach einem sibirischen Sommerregen. Alexander Grebennikov und Natalia Mavricheva verkauften ihre Wohnung, um den Verlag am Leben zu erhalten.

Die Wahlen des Jahres 1996 gewann Boris Jelzin, und eine Weile bewegte Russland sich auf dem Pfad der Demokratie weiter.

Die Zeitschrift Marketing und Marktforschung erhielt im Nachhinein mehrere Auszeichnungen von verschiedenen Vereinigungen und Verbänden als bestes Printmedium auf dem Gebiet des Marketings.

1998, 2008 und andere Krisenjahre

Die Wirtschaftskrise des Jahres 1998 brachte die Firma in eine äußerst schwierige Lage. Die Zeitschriftenabonnements – die einzige Einnahmequelle des Verlages zu dieser Zeit – gingen um 30 % zurück, die Inflation betrug 75 %. Mehr als zwei Drittel der Abonnements wurden noch vor der Krise zu entsprechend günstigen Konditionen abgeschlossen und der Verlag verkaufte seine Erzeugnisse ein Jahr lang zu Preisen, die unter den Druckereikosten lagen. Die Löhne wurden auf 100 Dollar gestutzt und mit großer Verzögerung ausgezahlt.

Aus den Erinnerungen Alexander Grebennikovs: „Alle Mitarbeiter brachten großes Verständnis für die Situation auf. Kündigen wollte keiner – auf dem Arbeitsmarkt war ohnehin nichts zu finden. Angesehen waren plötzlich nicht mehr die, die ein Handy hatten, sondern eine Dienstnummer. Für meine Frau und mich legten wir ein Gehalt von 50 Dollar fest – für beide zusammen. Wir mussten unsere Ernährung umstellen und aßen nun dreimal – pro Woche: montags, mittwochs, freitags. An den Wochenenden besuchten wir der Reihe nach unsere Verwandten und boten ihnen die Möglichkeit, uns mit einem Mittag- oder Abendessen zu verwöhnen.“

Auf die Krise des Jahres 2008 begann der Verlag sich bereits 1999 vorzubereiten. Erstens wurde beschlossen, alle nur möglichen Medien zum Verkauf von Informationen zu nutzen: Zeitschriften, Bücher, Konferenzen und das Internet. Zweitens wurde der Beschluss gefasst, das Portfolio vom Marketing auf die gesamte Palette der Business-Themen auszudehnen. Und zu guter Letzt wurde beschlossen, die Grenzen der unternehmerischen Tätigkeit sowohl territorial, als auch kundenmäßig zu durchbrechen. Das bedeutete: außerhalb Russlands Fuß fassen und sich nunmehr nicht nur auf russische Firmen zu beschränken.

2007: Neue Marken, neue Märkte.
Das Verlagshaus Grebennikov von der lokalen Arbeit zum globalen Betrieb

Im Jahre 1999 brachte das Verlagshaus Grebennikov drei Zeitschriften heraus, 2008 waren es bereits 28. Innerhalb einer Dekade wurden dreißig Bücher verlegt, mehr als einhundert Konferenzen durchgeführt und ein Internetarchiv mit 4500 Artikeln geschaffen. Und obwohl die Krise zu einigen Einschnitten geführt hat und den Geschäftsleuten nicht so sehr nach Konferenzen zumute war, wurden die ersten beiden Punkte des Verlagsentwicklungsprogramms doch umgesetzt.

Im September 2007 begann mit einem Foto-Shooting in Berlin eine neue dritte Etappe in der Verlagstätigkeit. Mehr als 6000 Fotografien, die Alexander Grebennikov und Natalia Mavricheva von der Hauptstadt Deutschlands aufgenommen haben, bildeten die Grundlage für den Reisebildband „Berlin. Sehenswürdigkeiten und Museen“. Diese Veröffentlichung wurde zum Flaggschiff der neuen Verlagstätigkeit – dem Vertrieb von Literatur und Souvenirs für Touristen. Damit hat der Verlag die dritte und schwierigste Etappe seiner strategischen Entwicklung – ein neues Geschäftsfeld für neue Kunden in einem neuen Land – begonnen. Am 2. Oktober wurde eine neue Verlagsniederlassung, der Grebennikov-Verlag, eröffnet.

Fortan erschienen Bücher über Berlin, von einem internationalen Mitarbeiterteam erstellt. Die Veröffentlichung erfolgte unter der Marke Explorise. Getreu dem Motto «Das Unbekannte im Bekannten entdecken» erzählen die Titel von kulinarischen Kuriositäten oder von unbeachteten sakralen Orten in der Hauptstadt. Schnell wurden Buchhandel und Presse aufmerksam und bald schon gehörten die Grebennikov-Publikationen zum Standardprogramm jeder Berlin-Abteilung.

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